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CARTOON - Geschichtenerzähler gesucht


Es gibt Menschen, die reden nun einmal gerne. Sie schaffen es, Abende lang "small talk" von sich zu geben, Zuhörer bis an den Rande des Wahnsinns zu treiben, konsequente Einschlafmelodien für ganze Gruppen zu singen oder aber tatsächlich Stunden hindurch, andere Menschen zu fesseln und zu faszinieren. Wer nun meint, hier sei von Damen die Rede, der irrt kräftig. Denn gerade die Vertreter des angeblich so starken Geschlechtes neigen zur verbalen Selbstdarstellung. Zuhörer dürfen dabei bestenfalls dann ihre Stimme erheben, wenn der "Cantor" des Abends gerade Luft holt. Wer diese Art des monologartigen Gesprächs besonders schätzt oder wer einmal versuchen will, seine Phantasie in Sprechblasen zu sammeln, der sollte das Spiel "Cartoon" versuchen. Denn hier sind Geschichten zu erzählen, die spannend, einfallsreich und überraschend sind und am Ende eine Pointe besitzen. Doch nun einmal alles der Reihe nach, beginnen wir bei der Schachtel.

Wer den Deckel dieses Spieles betrachtet, sieht darauf vier Männer, die sich vor Lachen die Bäuche halten. Der Satz, welcher darunter steht, läßt Großes vermuten: "Das kreative Spiel, bei dem Sie die komischten Geschichten erleben". Nach dem Öffnen des Deckels finden sich dann auch gleich eine ganze Reihe von Cartoons, die tatsächlich recht originell sind: Die Auswahl reicht vom Glatzkopf, der sich die Glatze föhnt bis zur Schildkröte, welche ihr Haus verliert. Meistens vergehen die ersten Minuten bei neuen Mitspielern mit dem Betrachten dieser zum Teil sehr gelungenen Cartoons. Doch neben diesen Karten finden sich auch kleine "Pointenkarten", auf denen so ausgefallene Sätze wie "Abwarten und Tee trinken", "Nie wieder arbeiten" oder auch "Mach nur weiter so" stehen. Ziel des Spieles ist es nun, daß jeder Mitspieler Cartoonkärtchen und Pointenkärtchen eine Geschichte zum Besten geben muß. Zusätzlich wird auf dem Spielbrett noch ein Themenkreis festgelegt, der in dieser Erzählung vorzukommen hat: Da stehen Haustiere, Liebe, Arbeit, Freundschaft, Geld und Erfolg, Sport und Freizeit, Essen und Trinken sowie Konflikte zur Auswahl. Unter Umständen können daraus dann ganz haarige Geschichten werden: Denn wenn auf dem Cartoon ein Mann mit einem Messer im Rücken abgebildet ist, der Themenkreis von Haustieren handelt und die Abschlußpointe "Auf jeden Topf paßt ein Deckel" lautet, wird man mit Problemen kämpfen, einen schlüssigen Inhalt zu erfinden: Denn eine Kuh (= Haustier), welche zufällig auch Messer werfen kann (= Cartoon) erscheint noch sinnvoll. Doch das die besagte Kuh für ihren über alle Maßen häßlichen Bauern auch noch eine Bäuerin sucht, erscheint doch ziemlich absurd. Immerhin kann das milchgebende Haustier zum Anschluß dann "Auf jeden Topf paßt ein Deckel" gackern - pardon muhen. Doch es sollen hier nicht unnötige Anregungen verschwendet werden. Klarerweise wird die Bewertung mittels Punkten durch die Mitspieler durchgeführt, wobei es bei richtiger Selbsteinschätzung auch noch Bonuspunkte geben kann.

Wer gerne redet und phantasiert ist bei Cartoon genau richtig. Dann sind auch spannende Spielrunden mit Sicherheit garantiert. Leute, die hingegen eher zum Schweigen neigen, sollte man mit diesem Spiel in Ruhe lassen, denn ein "angezipfter" Mitspieler genügt, um das ganze Spiel zu verderben. In diesem Fall empfiehlt es sich eher, diesen Zeitgenossen in die Geschichte einzubinden: Vielleicht als den Mann mit dem Messer im Rücken oder in einer Story, welche mit dem Satz schließt: "Alles halb so schlimm!" Nach Möglichkeit sollte man das denjenigen nicht unbedingt merken lassen und ihm inzwischen eines der klassischen Einpersonenspiele in die Hand drücken, damit auch er den Abend noch halbwegs gemütlich findet.

CARTOON:

Titel

Cartoon

Hersteller

Heye

Erfinder

W.Kramer/ R.Ulrich

Design

Grafikteam

Spieldauer

20 - 40 Minuten

Spieler

3 - 6, ab 14 Jahre

Kategorie

Kreativspiel

Preis

ca. 400,-- ÖS

Bewertung:

Idee

5

Regelgestaltung

5

Ausführung

6

Verarbeitung

5


Copyright Peter und Birgit Költringer 2002

Dieser Spieletest wurde von Univ.Prof.Dr.Peter und Birgit Költringer geschrieben und beinhaltet daher auch ihre eigene Meinung. Er erscheint auch in ihrer wöchentlichen Spielerezension in den Salzburger Nachrichten (http://www.salzburg.com/sn). Eine Verbreitung ist unter Quellenangabe gestattet, sofern die Autoren, die Erscheinungsquelle und die Rezension nicht verändert wurde und weiter die Autoren davon Kenntnis und ein Belegexemplar erhalten.

Die Autoren haben mit keinem Spielzeughersteller berufliche Verbindungen und sind völlig unabhängig. Anfragen sind über EMail an spiele.koeltringer@utanet.at zu richten.