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Ein Rennen gegen die Psychologie: IRONO OFUBI


Die Kunst, sein Gegenüber einschätzen zu können, wird in Kursen, Seminaren oder auch in vielen gescheiten Büchern gelehrt. Doch wenn das auch das Gegenüber versucht, führt dies bald zu Problemen..

Sicherlich hat jeder von uns bereits einmal Leute gesehen, die sich selbst an ihren Händen halten. Üblicherweise ist dies kein gutes Zeichen, wenn es um die Selbstsicherheit der betroffenen Personen geht: Entweder sind sie tatsächlich von Natur aus so unsicher, oder sie versuchen gerade, das Rauchen aufzugeben und wissen nun mit ihren Händen und ihren Gedanken an die köstlichen, dunstblauen und übelriechenden Schwaden nichts anzufangen, oder aber sie versuchen, etwas zu verbergen. Letzteres ist bei "IRONO OFUBI" der Fall: Hier versteckt der Eine vor dem Anderen verschiedenfarbige Jetons. Doch es handelt sich dabei nicht um ein neuartiges Osterhasenspiel sondern um die Frage, ob man erraten kann, welche Farbe der Andere gerade in Händen hält. Auch wenn so manche bis jetzt den Eindruck haben sollten, ein etwas spiritistisch veranlagtes Spiel vor sich zu haben, so muß nun doch festgehalten werden, daß nur der Titel an fremde Religionen und Kulte erinnert: Denn "Irono Ofubi" ist frei aus dem Japanischen entliehen und dürfte wohl am ehesten ein Hilferuf für verzweifelte Spieler sein: "Irono Ofubi, wende die Katastrophe ab". "Irono Ofubi, hilf, daß der Gegner nicht weiß, was ich in Händen halte". "Irono Ofubi, gib mir den Sieg". Denn in diesem Spiel braucht man wahrlich mehr als einen Hilferuf, denn hier läuft nichts ohne Bluff.

Auf einem kleinem Spielbrett sind auf vier mal vier Feldern sechzehn dämonenhafte Gesichter abgebildet. Wer davon Irono und wer Ofubi ist, konnte bis heute nicht geklärt werden. Das spielt aber auch gar keine Rolle, denn die Felder sollen mit Jetons belegt werden: Der eine Spieler hat je 5 runde Exemplare in den Farben Gelb, Grün, Weiß, Rot, Blau und Grau, der andere dieselbe Anzahl in ovaler Jetonform. Der Startspieler nimmt sich von jeder seiner Farben ein Jeton und versteckt es in seinen beiden Händen. Dann setzt er einen Markierungsstein auf ein Feld. Dies zeigt an, wo er sein Jeton hinlegen möchte. Er wählt sich nun geheim die Farbe für diesen Platz aus. Dann wird ein möglichst triumphierendes Lächeln aufgesetzt. Der Gegenspieler muß nun erraten, welche Farbe der Andere legen will, wobei er dafür drei Versuche hat: Denn er kann drei Farben angeben. Wenn sich darunter die richtige befindet, darf der Gegenspieler eines seiner Jetons auf das Feld legen, sonst macht das der Startspieler. Danach werden die Rollen getauscht. Wenn das ganze Spielfeld auf diese Weise schließlich vollgelegt ist, erfolgt die Abrechnung: Dabei werden die jeweiligen Jetons in Quer-, Längs- und Diagonalreihen addiert. Graue Jetons verdoppeln die Ergebnisse und mehrere gleiche Farben pro Reihe bringen ebenfalls Zusatzpunkte.

Wer glaubt, daß dieses Spiel sehr einfach ist, der irrt. Denn es ist schon wahr, die Chance, die richtige Farbe zu erraten, beträgt theoretisch 50 Prozent, vor allem wenn man seinen Gegner gut einschätzen kann. Klarerweise wird dieser eher graue oder gleichfarbige Jetons in seine Reihen legen, da ihm das mehr Punkte bringt. Doch der Gegner weiß, daß das von ihm gedacht wird, daher tut er es vielleicht doch nicht. Oder aber er tut es und man glaubt, er tut es nicht, weil man glaubt, daß er es tut. Wer weiß schon vom Anderen, was er tut, wenn man glaubt, daß der Andere meint, daß man es tut. Doch ganz egal, ob er es glaubt oder ob er es tut, die Unsicherheit zu glauben, daß der Eine tut, was der andere glaubt, führt mit Sicherheit ins Chaos. So bleibt am Ende dieser Zeilen nur noch ein letztmaliger Hilfeschrei übrig, der sich möglicherweise ziemlich rasch in der Spieleszene durchsetzten dürfte: Irono Ofubi!

Birgit und Peter Költringer

IRONO IFUBI:

Titel

Irono Ofubi

Hersteller

Piatnik

Erfinder

Jürgen Gunau

Design

Kugler

Spieldauer

15 - 20 Minuten

Spieler

2, ab 12 Jahren

Kategorie

Bluff/Strategie

Preis

ca. 260,-- ÖS

Bewertung:

Idee

5

Regelgestaltung

6

Ausführung

5

Verarbeitung

5


Copyright Peter und Birgit Költringer 2002

Dieser Spieletest wurde von Univ.Prof.Dr.Peter und Birgit Költringer geschrieben und beinhaltet daher auch ihre eigene Meinung. Er erscheint auch in ihrer wöchentlichen Spielerezension in den Salzburger Nachrichten (http://www.salzburg.com/sn). Eine Verbreitung ist unter Quellenangabe gestattet, sofern die Autoren, die Erscheinungsquelle und die Rezension nicht verändert wurde und weiter die Autoren davon Kenntnis und ein Belegexemplar erhalten.

Die Autoren haben mit keinem Spielzeughersteller berufliche Verbindungen und sind völlig unabhängig. Anfragen sind über EMail an spiele.koeltringer@utanet.at zu richten.